03.03.2026

„Landfrau und Kamerad Maschine“

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Gabriele Blömker
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Die UN haben 2026 zum „Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ erklärt. Landfrauen sichtbar machen und unterstützen – das wollte auch die aus dem Münsterland stammende Autorin Aenne Gausebeck. Bereits 1950 setzte sie voll auf Technik für die Bäuerinnen. Das war wichtig, denn unmittelbar nach dem Krieg wurden 290.000 Betriebe – damals jeder sechste Betrieb – von Frauen geleitet.

Was muss eine Bäuerin bei Pflug, Egge oder Grubber auf dem Acker beachten? Wie setzt “frau“ einen Elektromotor in Gang? Wie müssen Wasserleitungen im Haus und im Stall verlegt sein, damit sie den Landfrauen das leidige Wasserschleppen ersparen?

Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt eines Buches mit dem Titel „Landfrau und Kamerad Maschine“, erschienen 1950 in Essen. Das Buch gehört zum Bestand der „Westfälischen Bibliothek der Landwirtschaft“ der Stiftung Landwirtschaftsverlag in Münster-Hiltrup und ist ein besonderes Zeugnis der frühen Nachkriegsjahre und der damaligen Rolle der Frau auf den Höfen.

Die Autorin Aenne Gausebeck lenkt den Blick der Frauen nicht nur auf die Hauswirtschaft, sondern auf die gesamte Technik auf dem Bauernhof. Das gab es bis dahin nicht. „Es ist das erste Buch, das für die Frauen grundsätzlich auch die Technisierung der gesamten Außen- und Innenwirtschaft, mit Feld und Stall und Hof, vom Blickpunkt der Frau und dem Frauenarbeitsleben mit umschließt“, unterstreicht die Autorin.

Aenne Gausebeck (1890–1969) stammt aus einer Bauern- und Kaufmannsfamilie in Everswinkel im Münsterland. Sie war Volksschullehrerin in Kamp-Lintfort, bevor sie 1918 zur Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz nach Bonn wechselte. Dort war sie für die Landfrauenbildung, später für Schule und Kultur zuständig. Gausebeck hielt landauf landab Vorträge und verfasste Ratgeberbücher für Haus, Hof und Familie. Etliche ihrer Schriften befinden sich in der Sammlung der Hiltruper Fachbibliothek. Sie tragen Titel wie

  • „Meine Brautkiste – die Wäsche-Aussteuer der heutigen Jungbäuerin“ (1938)
  • „Vom Kräuterbeet in die Küche“ (1940)
  • „Mein Arbeitstisch – meine Arbeitshilfe“ (1944)

In den frühen Nachkriegsjahren erschienen Beratungsschriften wie „Haushaltspflege aus dem Herzen“, „Ein neuer Hof mit neuen Möbeln“ oder eben „Landfrau und Kamerad Maschine“. Dieses Buch ist mit 264 Seiten und fast 400 Fotografien sowie Zeichnungen besonders umfangreich.

Als es 1950 erschien, war Landwirtschaft mehr denn je Frauensache. Es ist ja weitgehend vergessen: Die bundesdeutsche Statistik zählte damals zwischen Nordsee und Alpen fast 290.000 Eigentümerinnen landwirtschaftlicher Betriebe. Fast jeder sechste (!) westdeutsche Bauernhof befand sich in Frauenhand. Das war eine unmittelbare Folge des Krieges. Viele Ehemänner und Bauernsöhne waren gefallen oder aus der Kriegsgefangenschaft nicht zurückgekehrt.

Nie zuvor hatten Frauen als selbständige Betriebsinhaberinnen eine so starke Rolle in der Landwirtschaft inne wie damals, in den 1950er Jahren. Die Landwirtinnen, Mägde, Klein- und Nebenerwerbsbäuerinnen konnten da jede Unterstützung gebrauchen. „Elektrokraft, Gerät und Maschine“, so schrieb Aenne Gausebeck in ihrem Buch, „sollen der Landfrau das fast männermäßig Schwere viele ihrer Arbeiten abnehmen, sollen ihr also ,der Kamerad' in ihrem harten Tagewerk sein oder werden.“

Über die Westfälische Bibliothek der Landwirtschaft

Die „Westfälische Bibliothek der Landwirtschaft“ (WBL) in Münster-Hiltrup umfasst rund 6500 Bände praxisorientierter landwirtschaftlicher Fachliteratur aus fünf Jahrhunderten. Ein regionaler Schwerpunkt liegt auf Titeln aus Westfalen-Lippe und Nordwestdeutschland. Die Sammlung befindet sich im Eigentum der Stiftung Landwirtschaftsverlag in Münster und ist als Präsenzbibliothek organisiert. Agrargeschichtlich Interessierte können den Bestand digital durchsuchen (WBL-Bestand) und die Bücher nach vorheriger Anmeldung vor Ort nutzen.